Der legendenumspülte Untergang der RMS “Titanic” (im April 1912 nach einer Eisbergkollision) gehört wohl zu den unsinkbarsten Medienmythen, die sich je im kollektiven Gedächtnis verankert haben – eine Metapher der Superlative, die noch immer zu zeitdiagnostischen Bezügen verlockt: Ob Fortschrittstraum(a) oder Risikogesellschaft, High Tech-Hybris und Klassenspaltung – die symbolischen Tiefendimensionen dieser wohl theatralsten Katastrophe aller Zeiten lassen sich immer wieder neu ausloten.

“Titanomania” beginnt als bizarre Late-Night-Show unaufhaltsam sinkenden Niveaus: Ein schriller Stand-Up-Host wühlt sich durch Krisensemantiken der Gegenwart und schlägt dabei den Bogen von Titanic, der Freizeitpark-Experience über Schumpeters kreative Zerstörung hin zum Ausnahmezustandsexpertentum “titanischer” Ich-Entwürfe. Kein Zweifel: krisenfest ist nur die Krise selber. Der Untergangscountdown läuft im Popkulturprodukt, während leckgeschlagene Kulturdampfer durch die Eisfelder der Effizienzlogik treiben. Das Endspiel Entertainment der Erregungsapparatur schraubt sich zur apokalyptischen Farce.

Als singender (sinking) Sidekick assistiert der Bandleader des ultimativ selbstausbeutungswilligen Schiffsorchesters. Last but not least gibt es auch ein Wiedersehen mit Jack Dawson, dem daueroptimistischen Kulturprekären aus “Titanic” ( – dem Schmacht-Epos), dessen nassforsches Lebenskünstlertum zweifellos Vorbildcharakter beansprucht…

Text & Inszenierung: Maria Jamborsky Mit: Robert Rating (Dr. Titus Geek), Maria Jamborsky (Titanic Band), Lisa Ravery (Cassandra und Technik) sowie Florian Steffens (Jack Dawson/ Video) Dramaturgie: Lisa Ravery Bühnenbild: Benjamin Menzel Projektionen: Simon Weckert Video: Julian Reetz (Kamera) Florian Metzger (Schnitt) Musik: Valentin Butt, Florian Metzger, Lisa Ravery

Layout Flyer: Tobias Gutenschwager

Die Premiere fand statt am: 11. Dezember 2013 im fuchsundelster, Weserstraße 207.

Sponsored by KostümKollektiv

Teaser
Photos by Svea Pöstges
Außerdem:
Titanomania-Performance im Rahmen des Kunstfestivals “48-Stunden-Neukölln – S.O.S. Kunst rettet die Welt” am 27. und 28. Juni 2015 auf dem Klunkerkranich
Mit Mareile Metzner (Bandleader) und Robert Rating
Mit der freundlichen Unterstützung des
kostümkollektiv_logo
Categories: Produktionen, Projekte