Selbstüberbietungs-Beat.

I

Unterwegs zu den Crossroads der Coolness, auf der manischen Maschine die BackPackpapier-Route runter touren, die verlorene Rolle im Anschlag rastloser Tasten,

an der Plattennadel hängen, zitternde Mitternachtsspritze, vom Spirit besessene Spritfresser, Ritt auf Rasierklingen, swingend vor Unbezwingbarkeit, Skyline in der Nase, das Publikum im Rückspiegel, Charlie Parker im Parkverbot aufdrehen und dann dem Vogelzug folgen unter dem Radar,

zugedröhnt vom Zug-Gedröhn der Hobo-Hochbahn, Schnellbahn zur Schwelle der Ewigkeit,

Lichtgeschwindigkeits-Gedichte, gelesen in den Eingeweiden der Eingeweihten, in der Zeichenfledderei grünbebrillter Chaosfresser, Chamäleonseelen,

die mystisch befleckt in unbeleckten Zungen flüstern, im lüsternen Fluss der Dharma Spülung, Windsplitter im Trompetengewitter der Jamkaschemme, verstummter Stimmen Flüstertüte, Füllhornbläser und

Messie-Messiasse, die das Meskalin von Moleskine-Notizen kauen, miauende Nacht, Katzencoolness, satzsplitternde Razzia, treibender Triebbeat, hämmerndes Sprachgedärm, Schnatterschwärme, Sternensperma, Sperrstundenjazz, herrchenfreie Hunde jaulend in der blauen Stunde des Nirgendwo, im Wartesaal der Emergenz,

Radiergummikopf, der aus dem lustlutschenden Schlund schießt, aufgespießt von den Hummerscheren des himmlischen Sprechapparats, 

Und das soll alles gewesen sein?

Tipp-Trippend mit strippenden Stimmlippen von Klippen springen, und —

in Treibland stranden, am Schreibstrand der brüchigen Chiffren, Sand ins Getriebe schreiben und durch einen Streifen streifen, von Jean-Luc Godard,

wo die Kippe in deiner Lippe noch kommunikativer ist als Du,

und die Krawatte verborgen im Auge des Cool,

wo mensch im Trenchcoat pennt und sich die Tonleiter rauf und runter schweigt, während er in Bartleby’s Bar bartet oder auf der Tabakstraße eines Tagtraums trampt,

und Du, an zeitlosen Zeilen feilend, die Weisheit schweißtreibender Schreibmaschinen hinaus schreist, in der eisgeküssten Einsamkeit deines Whiskyglases,

cooler als jede Socke, die sich je verzockt hat,

oder mit dem Greyhound der Fährte einer verfahrenden Erfahrung nach schnüffelnd, dein letztes Flanellhemd hergibst, für einen Lidschlag Liebe im Liegewagen

Gesang von der offenen Straße!

wo sich der Freiheitsdurst  noch nicht mit Frapuccino löschen lässt, und Kunst noch kein feilgelieferter Lifestyle ist, sondern die nylonstrumpfigste Pumpe, die auf dem Schwarzmarkt zu kriegen ist,

Schattenstaub, Purpur Pur, synthetisiert von Sinntätern, die sich zu synkopierten Kopiersünden ihren Aussetzern aussetzen und aussätzige Sätze spucken

Brocken-roher-Seele-Rock `n` roll, zeitzerätzte Schätze der fetten Sonne Leben,

Coolness, die aus dem Koffer im Coffee-Shop haust! Coolness, die in blauen Zungen voller Fremdheit spricht! Coolness, die durch Jahrmillionen jettet zum Jenseits-Jazz eines Jetztzeit-Jesters! Wo finde ich dich, Coolness, deren Codes zu Strichcodes zerfallen, gescannt von einer Sphinx ohne Geheimnis, die mir das Rätsel Mensch verweigert?

II

Unterwegs auf den Einweg-Wegen, auf den Traumpfaden der Datensoldaten, im Wendekreis der Einsiedlerkrebse mit chromblitzenden Augen

Oh ihr Seidenanzugsraupen, verpuppt in Coolness, Change Agenten der ergonomischen Entfremdung, die ihr in Ad-geleckten Cadillacs geräuschlos durch die neonweiße Nacht yachtet, im Nitroglyzerinschweigen der nimmersatten Immerglatten

Oh ihr Marken-Revolutionäre mit Google Sun Glasses, die filterblasiert ihre Blässe verbessern, im Buddha-Bootcamp der gedrillten Gechilltheit

Oh ihr Schwärme von schwärenden Buzzwords, 

High Potentials meiner Generation! zerstört von kreativer Zerstörung, next worked, exponiert, ausgebrannt, und im coolen Branding die Brandzeichen von Arbeitssklaven in Sweatshops vergessen machend

Ich schizo-klemme im schwitzgehemmten Hemd, in der Zwanglosigkeitsjacke, zweckfrei verzweckt mit Swag (yeah)

ein schwerverdauter Schauwert, der apathisch seine aspirininduzierten Aspirationen absondert auf die Beipackzettel der Bewusstseinsindustrie

Cool

dirigiere ich mit meinem Selfie-Stick meine auf Benzedrin geschriebenen Bewerbungen

Cool

ein Orchester, bestehend aus Marketing-Instrumenten

Cool

mit lidlosen Augen, so lässig wie ein Stresstest und so poesietrunken wie Plexiglas

Coooool

scatte ich zu schnellverkäuflichen Melodieverläufen

Distinktions-Dissonanzen

culture jammend zum Sound der Klimaanlage, mit einem Touch Screen Solo, das sich hoch und immer höher klatscht in den vibratolosen Vibes der Vitaloptimierung

Coooooooool

spule ich auf dem selbstspielenden Klavier Akkorde im Akkord und biete Beats, die so gegenkulturell sind wie Tante Aldis Rezept für Eierstich und so epiphanisch wie ein epiliertes Bein!

Ich wollte eine verrückte phantastische gelbe Wunderkerze sein, die brennt, brennt, brennt! Ich wollte meine Existenz führen, wie ein spielsüchtiger Klarinettist, der sich auf seiner Lakritzstange ins Nirwana bläst! Warum stammt der einzige Schaum vor meinem Mund von einem biozertifizierten schizophrenen Smoothie? Was singt dieser Mund, der eine offene narzisstische Wunde war, die jetzt genäht ist und desinfiziert?

Singt er von Widerstandsgesten, die man bei Amazon bestellen kann?

Besingt er die Kadavercoolness von kaugummikauenden Kaufhausaushilfen, die zu Underground-Unterhaltungs-Upbeats ihre Urschrei-Therapie als Kunst verkaufen?

III

Unterwegs in den verhinderten Winter, in die Interzone des Tieftemperaturlabors

stehe ich hier im Licht einer durchgeknallten Leuchtstoffröhre, das noch immer unterwegs ist, um meine Existenz zu bestätigen

ein schrottreifer Intensitätsautomat, der auf Münzeinwurf Au-Au-Au-Aua-Au-Au-Authen-ti-zi-täts-effekte ausspuckt

Ich ist kein anderer mehr

Und wenn ich im White-Out der Wachstumsbeschleunigung den Aufstand der Zeichen anführe, ein totlebendiger Gott, begraben unter Abstraktionslawinen, halte ich mit letzter Kraft den weißhaarigen Revolver an meine Schläfe, um – nicht abzudrücken.

Text: Maria Jamborsky

Categories: Writing