Ein Beat Bestiarium.

I

Unterwegs zu den Crossroads der Coolness, auf der manischen Maschine die Back-Packpapier-Route entlang rauschen, die verlorene Rolle im Anschlag rastloser Tasten,

an der Plattennadel hängen und sich das Meskalin von Moleskine-Notizen schießen, mystisch befleckt in unbeleckten Zungen flüstern, im lüsternen Fluss der Dharma Spülung,

auf den Nostalgie-Trip kommen und halluzinieren und gieren nach der nie gereiften Zeit,

als die Kippe in deiner Lippe noch kommunikativer war als Du,

als man in Textfetzen herumlief und sich die Tonleiter rauf und runter schwieg, während man mit Bartleby an der Bar bartete oder auf der Tabakstraße eines Tagtraums trampte,

und Du, an zeitlosen Zeilen feilend, die Weisheit schweißnasser Schreibmaschinen hinausschriest, in der eisgeküssten Einsamkeit deines Whiskyglases,

oder mit dem Greyhound der Fährte einer verfahrenen Erfahrung folgend, dein letztes Flanellhemd hergabst, für einen Lidschlag Liebe im Liegewagen,  

als sich der Freiheitsdurst noch nicht mit Frapuccino löschen ließ, und Kunst noch kein lippenbekennender Lifestyle war, sondern die nylonstrumpfigste Zigarette, die auf dem Schwarzmarkt zu kriegen war,

Purheits-Purpur, synthetisiert von Sinntätern, die sich zu synkopierten Kopiersünden ihren Aussetzern aussetzten,

Brocken-roher-Seele-Rock `n` roll, in Sätze geätzte Schätze der fetten Sonne Leben,

Coolness, die aus dem Koffer im Coffee-Shop haust! Coolness, die in blauen Zungen voller Fremdheit spricht! Coolness, die durch Jahrmillionen jettet zum Jenseits-Jazz eines Jetztzeit-Jesters! Wo finde ich dich, Coolness, deren Codes zu Strichcodes zerfallen, gescannt von einer Sphinx ohne Geheimnis, die mir das Rätsel Mensch verweigert?

II

Unterwegs auf dem Weg des Konsumkriegers, auf den Traumpfaden der Datensoldaten, im Wendekreis der Einsiedlerkrebse mit chromblitzenden Augen

Oh ihr Seidenanzugsraupen, verpuppt in Coolness, Change Agenten der ergonomischen Entfremdung, die ihr in Ad-geleckten Cadillacs geräuschlos durch die neonweiße Nacht rauscht, im Nitroglyzerinschweigen der nimmersatten Immerglatten

Oh ihr Marken-Revolutionäre mit Google Sun Glasses, die filterblasiert ihre Blässe verbessern, im Zen-Business-Bootcamp der gedrillten Gechilltheit

Oh ihr Schwärme von schwärenden Begehren, 

High Potentials meiner Generation! zerstört von creative destruction, effortless, exponiert, ausgebrannt, und im coolen Branding die Brandzeichen von Arbeitssklaven in Sweatshops vergessen machend

Ich bin der Schizo in der schwitzhemmenden Zwanglosigkeitsjacke, zweckfrei verzweckt mit Swag (yeah)

ein schwereloser Schauwert, der apathisch seine aspirininduzierten Aspirationen absondert auf die Beipackzettel der Bewusstseinsindustrie

Cool

dirigiere ich mit meinem Selfie-Stick meine auf Benzedrin geschriebenen Bewerbungen

Cool

ein Orchester, bestehend aus Marketing-Instrumenten

Cool

mit weit geschlossenen Augen, so lässig wie ein Stresstest und so poesietrunken wie Plexiglas

Coooool

scatte ich zu schnellverkäuflichen Melodieverläufen

Distinktions-Dissonanzen

culture jammend zum Sound der Klimaanlage, mit einem Touch Screen Solo, das sich hoch und immer höher klatscht in den vibratolosen Vibes der Vitaloptimierung

Cool

klimper ich auf dem calvinistischen Klavier Akkorde im Akkord und biete Beats, die so gegenkulturell sind wie Tante Lidls Rezept für Eierstich und so epiphanisch wie ein epiliertes Bein!

Ich wollte eine verrückte phantastische gelbe Wunderkerze sein, die brennt, brennt, brennt! Ich wollte meine Existenz führen, wie ein kunstsüchtiger Klarinettist, der sich auf seiner Lakritzstange ins Nirwana bläst! Warum stammt der einzige Schaum vor meinem Mund von einem biozertifizierten schizophrenen Smoothie? Was singt dieser Mund, der eine offene narzisstische Wunde war, die jetzt genäht ist und desinfiziert?

Singt er von Widerstandsgesten, die man bei Amazon bestellen kann?

Besingt er die Kadavercoolness von kaugummikauenden Kaufhausaushilfen, die zu Underground-Unterhaltungs-Upbeats ihre Urschrei-Therapie als Kunst verkaufen?

III

Unterwegs in den verhinderten Winter, in die Interzone des Tieftemperaturlabors

stehe ich hier im Licht einer durchgeknallten Leuchtstoffröhre, das noch immer unterwegs ist, um meine Existenz zu bestätigen

ein schrottreifer Intensitätsautomat, der auf Münzeinwurf Au-Au-Au-Aua-Au-Au-Authen-ti-zi-täts-effekte ausspuckt

Ich ist kein anderer mehr

Und wenn ich im White-Out der Wachstumsbeschleunigung den Aufstand der Zeichen anführe, ein totlebendiger Gott, begraben unter Abstraktionslawinen, halte ich mit letzter Kraft den weißhaarigen Revolver an meine Schläfe, um – nicht abzudrücken.

Text: Maria Jamborsky

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