Premiere am 28. April 2006 im Gaya Theater.

Edgar Allan Poe, der Prototyp aller abgewirtschafteten, rauschmittelabhängigen und persönlichkeitsgestörten Künstler wälzt sich schlaflos auf dem Sofa. Irgendwie ist er in sein eigenes poetisches System hinein geraten, nämlich in das schaurig schöne Poem „Der Rabe“. Im Verlauf der morbiden Bühnenfarce wird dem Dichter bewusst, dass seine poetische Mathematik keineswegs die Präzision und Folgerichtigkeit einlöst, die er vor Augen hatte. Und dass es aus seinem narzisstischen Spiegellabyrinth kein Entrinnen gibt…

In seiner poetologischen Hauptschrift “The Philosophy of Composition” behauptet Poe, sein berühmtes Gedicht “The Raven” vom Ende her kalkuliert und geschrieben zu haben und schlägt vor, stets vom Schlusseffekt ausgehend zu komponieren. “Drugged Voices” hält sich an diese Empfehlung und wählt das narrative Format einer “Rückwärts” Erzählung. Die Umkehrung von Anfang und Ende wird aber nicht nur auf der formalen Ebene ausgespielt, sondern vor allem inhaltlich-metaphorisch ausgedeutet. Da ist zum einen das “Nevermore” des Unheilsvogels, welches den irreversiblen Verlust von Ursprung und Referenz ankündigt; der Protagonist sieht sich mit der Abgründigkeit seiner eigenen abgekoppelten (drogeninduzierten) Stimmen konfrontiert und auch “Lenor” ist nur noch eine Chiffre selbstbezogener Universalpoetisierung (und wird folgerichtig vom selben Schauspieler verkörpert). Last but not least spiegelt sich jenes unheimlich gestörte Verhältnis von Quelle und Output auch in der grotesken Doppelconférence eines Vaudeville Bauchredners und seiner sinisteren Puppe.

Text & Inszenierung: Maria Jamborsky
Mit: Sebastian Zimmler (Edgar/ Lenor) Heiko Fischer, Heidi Johnson, Bernhard Lütke
Video: Sebastian Klatt, Frank Gerhardt
Musik/Sound: Jonathan Dyck, Bernhard Lütke
Bühne: Tim Schneider
Kostüm/Maske: Gemma Budden
Animation/Layout Flyer:Max Adam
Technik: Georg Losch

Produced by Tim Schneider & Karmanoia Crew

photos by Alla Teterina und Sebastian Klatt

Categories: Theatre Performances